Das leben in Thailand zweiter Teil

Soziale Positionierung

 

Standesunterschiede finden ihren Ausdruck in einem differenzierten Gruß- und Anrede-System und bestimmen das weitere Verhalten bei der Begegnung der Thai untereinander und mit ausländischen Besuchern

 

Es ist leicht nachvollziehbar, dass in ausgeprägt hierarchie- und statusbewussten Gesellschaften die Vorstellung von einer „persönlichen Ehre” einen höheren Stellenwert einnimmt als in egalitären Systemen. So, wie oben beschrieben, ein jeder Thai versuchen wird, möglichst hoch im sozialen Rang eingestuft zu werden, keinesfalls aber unterhalb der ihm zustehenden Position, derer er sich wohl bewusst ist, so sehr trifft es ihn, wenn es zur schlimmsten persönlichen Katastrophe im Leben kommt, die einen Thai treffen kann: sia naa, „das zerstörte Gesicht”, der Verlust der Ehre. Wenn durch die Bloßstellung der Persönlichkeit mit all ihren Schattenseiten seine soziale Position ins Wanken gerät, kommt das einem persönlichen Zusammenbruch gleich. Derjenige, der für das sia naa verantwortlich ist, muss mit härtesten Konsequenzen seitens des Erniedrigten rechnen. Denn der kann zumindest einen Teil seines Gesichts damit zurückgewinnen, dass er den „Entehrer” nicht ungeschoren lässt.

 

Wenn wir die Thai normalerweise als freundliche, liebevolle und vor allem friedliebende Menschen kennen lernen und diese Eigenschaften auf buddhistische Grundsätze zurück führen, so verlieren deren Einflüsse an Bedeutung, wenn das eigene Ich, der Stolz, Ehre und Unabhängigkeit in Gefahr geraten. Über alle Bevölkerungsgruppen hinweg ist diese Ego-Orientierung mit einem sehr hohen Stellenwert belegt, bei den Städtern noch mehr als bei der Landbevölkerung.

 

Wenn uns farang auch kleinere Fehler verziehen werden, so zahlt es sich in jedem Fall aber aus, es garnicht so weit kommen zu lassen.

 

Ehre und „Gesicht”

 

Die schlimmste persönliche Katastrophe im Leben eines Thai ist der Verlust des Gesichts

 

Das Aufdecken der eigenen Schwächen erfolgt natürlich nicht nur durch Dritte. Falsches Verhalten kann den Menschen auf der Stelle bloß stellen. Sich dieser Gefahr bewußt, wird der Thai in jeder Situation darauf achten, dass er sein Gesicht nicht verliert. Als Schwäche würde ihm ausgelegt, wenn er in einer Meinungsverschiedenheit die Ruhe verlöre. So ist es seine Verpflichtung, ein „kühles Herz”. djai yen, zu behalten, egal, was passiert.

 

Dabei werden mitunter sogar offene Ungerechtigkeit und Misshandlung äußerlich unbewegt „eingesteckt” – soweit geht der gesellschaftliche Druck, Konflikten auszuweichen. Der dadurch entstehende Eindruck einer harmonischen Gesellschaft, der dem Thailand-Besucher sehr anziehend erscheinen mag, kann allerdings nur oberflächlich sein. Es unterscheidet sich aber die Wertschätzung der Oberflächlichkeit der Menschen der westlichen Länder und der Thai. Wir im Westen vermuten, dass die wahre Bedeutung irgendwo unterhalb der Oberfläche liegt und dass der Inhalt mehr ist als nur die Form. Thai neigen eher dazu, die Oberflächenrealität anzunehmen, ohne nach dem tieferen Sinn zu fragen. Bei ihnen ist Form gleich Inhalt, deshalb gilt Oberflächenharmonie als wirkliche Harmonie, unabhängig von den zugrundeliegenden Motiven der Beteiligten. Bei Oberflächlichkeit in diesem Sinne spricht die Wissenschaft von Formhandlungen in der sozialen Beziehung. Wenn man, trotz Meinungsverschiedenheiten, miteinander leben muss und nicht ausweichen kann, ist es pragmatisch, nicht zu sehr in die Tiefe zu gehen. Thai, die überwiegend in dörflichen Gemeinschaften leben, im ständigen engen Kontakt und zeitweise im Kollektiv miteinander arbeiten müssen, tun gut daran, keine Feindschaften „zu pflegen”. So macht der soziale Anpassungsdruck in der Dorfgemeinschaft nebenbei auch geschriebene Gesetze und die Strafen entbehrlich. Dem Thai ist bewusst, dass das Wohlergehen der Gemeinschaft über seiner individuellen Freiheit steht. Dafür ordnet er sich unter.

 

Doch wie weit ist der Einzelne belastbar? Subtile Zeichen lassen erkennen, wenn aus dem kühlen Herz djai yen mehr und mehr ein heißes Herz djai ron wird, doch diese sind für den farang oftmals nicht erkennbar. Ein Thai jedenfalls weiß, was es bedeutet, wenn plötzlich statt des persönlichen "du" das eigentlich als Fürwort für Tiere und Sachen gebräuchliche ke fällt. Was hält den Betroffenen davon ab, gleich zu explodieren? Eskaliert die Situation, dann werden die Folgen nicht kalkulierbar sein!

 

Jeder, der mit djai ron Zorn oder Wut offen zeigt, riskiert, zumindest sein Gesicht zu verlieren. Aber er gefährdet nicht nur sich selbst, sondern die Gemeinschaft. Nach dem neben dem Buddhismus weit verbreiteten Animismus fordert menschliche Wut den Zorn der Geister heraus. Und deren Rache ist nicht sehr selektiv, zumal ihre Mittel – Überschwemmungen, Dürren, Hungersnöte oder Seuchen – kaum wirksam auf einen Einzelnen anwendbar sind!

 

Die Angst vor kollektiver Strafe lässt deshalb den einzenen Thai einiges einstecken. Jeder Mensch hat seine eigene individuelle Schmerzgrenze. Auch ein Thai ist nicht beliebig belastbar. Die durch soziale Zwänge und buddhistische Erziehung auferlegte Zurückhaltung kann nicht jede Explosion verhindern.

 

Trotz der hohen persönlichen Reglementierung sieht der Thai in seiner inneren Freiheit die besten Voraussetzungen für eine emotionell und physikalisch stabile Verfassung. Diese innere Freiheit in sozialer Harmonie bewahrt er sich durch Vermeidung jeder vermeidbaren Reibung im Kontakt mit Anderen. Daraus erwachsen ist kreng djai, eine unbedingte und starke Einstellung, anderen Menschen weder etwas aufzuzwingen noch ihr persönliches Gleichgewicht durch direkte Kritik oder durch Herausforderung oder Konfrontation ins Wanken zu bringen. Der Begiff ist kaum zu übersetzen, Rücksichtnahme kommt ihm am nächsten ohne ihm wirklich gerecht zu werden. Es liegt daran, dass die soziale Position des einzelnen Menschen starken Einfluß auf die Rücksichtnahme nimmt ohne allerdings zu bedeuten, dass der sozial Höhergestellte weniger Rücksicht nehmen muss. Eher ist es so, dass dem Höhergestellten Dinge verschwiegen werden, um sein Gleichgewicht nicht zu gefährden, selbst wenn die Kenntnis dieser Dinge für ihn von höchster Wichtigkeit wäre. So wird der Angestellte seinem Vorgesetzten nicht immer alles melden, was er an Gefahren für die Ziele der Firma heran ziehen sieht – nur um den Chef nicht aufzuregen. Man versucht konsequent, dem anderen Unannehmlichkeiten zu ersparen.

 

Generell kann man deshalb zusammen fassen, dass die Menschen ihr Äußerstes geben, um persönliche Konflikte garnicht erst aufkommen zu lassen. Bereits das Erkennen lassen von Ärger und Wut wird als gefährlich für die soziale Harmonie angesehen, bedeutet Rohheit, Ignoranz und Unreife.

 

djai yen – Kühles Herz” „djai ron – Heißes Herz”

 

Ruhe zu bewahren ist für die Menschen in dörflichen Gemeinschaften von elementarer Bedeutung

 

Diese Einstellung ist ein wesentlicher Bestandteil der Ehre und erklärt manche Umstände, die Außenstehende verblüffen mögen. Zurschaustellen von Unwillen, Verzweiflung, Unzufriedenheit, Missbilligung, aber auch von Enthusiasmus stößt auf Unverständnis. Damit einhergehend wird die Person, die eine ruhige Gelassenheit ausstrahlt – choei-choei – oder zumindest so wirkt, respektiert, weil sie das hat, was als wichtige Tugend bezeichnet wird.

 

Die Tugend der inneren Ruhe

 

Innerhalb des „bewahrenden Rahmens”, der aus den bisherigen Ausführungen ersichtlich ist, teilen die Thai eine konkrete Ansicht darüber, was Freundschaft und Vergnügen bedeuten.

 

Freundschaft unter Thai ist extrem intensiv. Ihre Sprache ist reich an Ausdrücken, die den Grad ihrer Bindung und damit verbundener Selbstaufopferung beschreiben. Solche Freundschaften findet man besonders unter Männern. Ein phuan tai ist ein Freund, für den es sich zu sterben lohnt. Wenn ein Freund in Schwierigkeiten gerät, fühlt man sich als Freund verpflichtet, zu helfen, egal wie gefährlich es für einen selbst sein sollte. Es gilt tong chuai phuan – jeder muss seinem Freund helfen.

 

So sucht der Thai seinen Freund für's Leben, ohne allerdings wahllos jeden für diese wichtige Rolle zu akzeptieren. Zu stark ist die Gefahr einer persönlichen Enttäuschung.

 

Freundschaft

 

Dem sprichwörtlichen Thailändischen Lächeln begegnet man in Thailand auf Schritt und Tritt. Es erweckt den Eindruck, dass es in Thailand nur glückliche, zufriedene und vor allem freundliche Menschen gibt. Wenn auch letzteres überwiegend zutrifft, so ist doch das Lächeln nicht immer nur ein Ausdruck von Glück und Zufriedenheit. Was aber bedeutet es?

 

In Thailand ist das Lächeln ein Teil des täglichen Lebens, und es gibt mehrere Arten davon. Von „Ich bin wirklich glücklich” über „Ich kann dich nicht ausstehen” bis „Ich fühl mich total miserabel” kann es alles bedeuten. Niemand behauptet, es wäre immer einfach, das auseinander zu halten.

 

Da ist einmal die Freude über irgend eine Situation, die es auslöst. Genau wie bei uns. Aber es könnte sich auch um etwas handeln, was wir als „Schadenfreude” bezeichnen würden. Ein Thai freut sich natürlich nicht wirklich darüber, dass ein anderer den Schaden hat – aber, wenn sich die Situation genügend komisch darstellt, kann er sich offen an dieser Komik erfreuen. „Offen” heißt hier, er versucht nicht, seine heitere Stimmung zu verbergen, wie wir uns vielleicht verpflichtet fühlten. Weder er selbst noch der, dem ein Mißgeschick passierte, empfindet das als „auslachen”. Und deshalb ist das Lächeln solchen Momenten auch nichts Verwerfliches. Wenn jemand voll bekleidet in einen Pool fällt, werden die Leute in Thailand immer lachen – aber der unfreiwillig Gebadete wird wahrscheinlich darin einstimmen, sobald er wieder Luft holen kann.

 

Vielleicht aber auch nur aus Verlegenheit. Das ist eine andere verbreitete Form des Lächelns. Das Verlegenheits-Lächeln wird gerne zur Konflikt-Lösung eingesetzt – als Eingeständnis der eigenen Schuld sozusagen. Eine schöne Art, djai yen zu zeigen.

 

Eine weitere Form des Lächelns, auch im Zusammenhang mit djai yen, ist die etwa mit „Kein Kommentar” zu übersetzende, wenn der Thai sich aus einer prekären Situation zurückzieht, ohne etwas zu sagen, auf das man ihn später festnageln könnte. Diese Art können farang meist nicht verstehen, es macht sie wütend, wenn sich jemand so davonstielt. Doch, tief verwurzelt im Thailändischen Sozialleben, verstehen und praktizieren Thai diese Form von Konfliktbewältigung eher, als ein womöglich lautstarkes Wort und Gegenwort, wo wahrscheinlich keine Einigung möglich ist.

 

Wer sich mit einem Verzeihungs-Lächeln für ein Missgeschick entschuldigt und dafür ein Lächeln zurück erhält, hat gewonnen.

 

Lächeln ersetzt das „Dankeschön” in vielen Situationen vollkommen ausreichend. In Verbindung mit einem leichten Kopfnicken werden vor allem kleinere Service-Leistungen damit honoriert. Ein Lächeln als Antwort darauf heißt folgerichtig „Bitte sehr”.

 

Die Gefahr lauert im Detail: Wenn du mit einem Thai etwas aushandelst und ihm sagst, was er oder sie dafür zu tun hat, bedeutet Lächeln nicht unbedingt Zustimmung. Es signalisiert allenfalls, dass dein Gegenüber gehört, im besten Fall verstanden hat, was sein Part an dem Deal sein soll.

 

Das Thailändische Lächeln

 

Es ist allgegenwärtig. Unmöglich, es zu übersehen. Ich habe nicht daran gedacht, als ich zum ersten Mal in Bangkok ankam. Beim Beamten in der Zollabfertigung ist es mir zuerst begegnet. Da verstand ich ein wenig davon…

 

Bei einem Zollbeamten

 

In den buddhistischen Lehren liegen die Wurzeln einer typischen Eigenschaft der Thai-Bevölkerung: aufrichtige Rücksichtnahme auf die Bedürfnisse ihrer Mitmenschen. Diese Tugend ist als nam djai, „Wasser des Herzens”, bekannt und beinhaltet eine spontane Wärme für alle Menschen, Freunde wie Fremde, und, wenn notwendig, die Fähigkeit zum aufrichtigen Mit-Leiden.

 

Wenn ein Fremder in ein Dorf kommt, wird er nicht als Eindringling angesehen, dem man vorsichtig und misstrauisch begegnen sollte. Mit nam djai, der Geist des Gebens, wird ihm eine Offenheit entgegen gebracht, die weit mehr als eine Art Vertrauensvorschuss ist: die Dorfbewohner werden ihn begrüßen wie einen Freund, ihn einladen, ihm ein Bett in ihren Häusern anbieten.

 

Meine erste persönliche Erfahrung mit nam djai

 

Als letzter der Herz-bezogenen Begriffe sei djai dee erwähnt. Er bedeutet „gutes Herz”, durchaus in unserem Sinne. Man bekommt djai dee zugeschrieben, wenn man viel lächelt oder – nur als Beispiel – ein Trinkgeld für einen empfangenen Service gibt, wo es eigentlich nicht erforderlich wäre.

 

Aus nam djai und djai dee heraus erhaltene Wohltaten wird der Thai sehr wohl zu schätzen wissen. Güte jeder Art, die man erhalten hat, wird unter dem Begriff bunkhun zusammengefasst und obligatorisch erwidert. Dabei ist bunkhun quantitativ nicht mess- oder bewertbar und unterliegt auch bei zeitlichem oder räumlichem Abstand nicht der „Verjährung”. Dankbarkeit katanyuu gehört mit zu den höchsten Tugenden, undankbar zu sein wäre mit einem Gesichtsverlust verbunden.

 

nam djai – Wasser des Herzens” „djai dee – Gutes Herz”

 

Das macht nichts, das ist nicht schlimm, vergiss es! Mit mai pen rai werden kleinere Fehler oder Missgeschicke einfach vom Tisch gefegt. Anstatt sich über etwas aufzuregen - mai pen rai! Ist das nach den Erläuterungen zu nam djai und djai yen noch verwunderlich?

 

Auch für diese Einstellung liegen die Wurzeln im Buddhismus. Was passiert, muss passieren, man kann nichts dagegen tun. Warum soll man sich dann darüber aufregen? Es ist Schicksal, Karma, wahrscheinlich liegen die Ursachen dafür in einem früheren Leben. Das ist nicht mehr zu korrigieren, aber man wird versuchen, in diesem Leben alles richtig zu machen, damit im nächsten so ein Missgeschick nicht wieder vorkommen kann.

 

„mai pen rai”

 

Wenn man sich unter Thai befindet und ihnen ein wenig zuhört, stellt man fest, dass sie sich fast immer nur mit ihren Spitznamen anreden. Die Spitznamen sollen die Geister verwirren, die die richtigen Namen nicht erfahren sollen.

 

Nur bei formellen Anlässen wird der echte Vorname verwendet, der meist ein komplizierter Sanskrit- oder Pali-Begriff ist (Pali ist die heilige Sprache der Buddhisten, entsprechend dem Latein der Katholiken). Außer in allen offiziellen Dokumenten werden die ebenfalls aus dem Sanskrit oder Pali stammenden Familiennamen kaum benutzt. Die Gleichgültigkeit dem Familiennamen gegenüber beruht auf der Tatsache, dass diese erst 1919 eingeführt wurden, wobei jede Familie ihren eigenen, nicht ein weiteres Mal vergebenen Namen zugeteilt bekam. Deshalb kann man heute davon ausgehen, dass Personen mit dem selben Familiennamen alle mehr oder weniger miteinander verwandt sind.

 

Ein neugeborenes Thai-Baby wird zu einem Individuum, sobald es einen Namen bekommen hat und damit im Einwohnerverzeichnis des Dorfes verzeichnet ist. Dabei wird ihm der Name üblicherweise vom Dorf-Vorsteher „verpasst”. Schon kurz danach werden die Eltern sich jedoch auf einen wesentlich kürzeren Spitznamen einigen und ihr Kind damit rufen. Dieser Spitzname bleibt ihm oft bis an sein Lebensende erhalten und wird von ihm derart verinnerlicht, dass der erwachsene Mensch auf Nachfrage manchmal nachdenken muss, um sich an seinen richtigen Namen zu erinnern.

 

Die stattdessen verwendeten Spitznamen (chü len = Spielname) beruhen entweder auf einen stark verkürzten Vornamen oder auf einer tatsächlichen oder gewünschten Eigenschaft der Person oder auf deren Aussehen. Dazu gehören beispielsweise Däng (rot; helle, rosa Hautfarbe), Dam (schwarz; dunkle Hautfarbe), Noy (wenig, gering), Lek (klein), Jey (gross), usw.

 

Daneben stammen viele Namen aus dem Tierreich. So gibt es Mäo (Katze), Muu (Schwein), Mot (Ameise), Phet (Ente), Nok (Vogel), Tao (Schildkröte), Gai (Huhn), Nuu (Maus), etc. Namen wie Schwein oder Maus gelten dabei nicht als Beleidigung.

 

Egal, was der Spitzname nun bedeutet, wichtig ist, dass Erwachsene immer mit einem khun („Herr”, „Frau”, „Fräulein”) oder, bei sehr viel Höhergestellten und Mönchen, thaan vor dem Namen angesprochen werden, und zwar auch dann, wenn wir ihn z. B. in Englisch ansprechen. Diese Regel gilt auch, wenn nicht zu jemandem, sondern über jemanden gesprochen wird. Steht man einer Gruppe gegenüber, so sollte man allerdings alle gleich anreden, alle mit Spitznamen oder alle mit richtigem Namen.

 

Anstelle der Namen werden gerne auch Titel verwendet. Zur Anrede genügt dann der Titel, der Name muss nicht hinzu gefügt werden: khruu (Schul-Lehrer), aadjaan (Hochschul-Lehrer) oder (khun) moo (Doktor).

 

Das gegenseitige Vorstellen von sich unbekannten Personen ist traditionell nicht üblich. Sofern es erforderlich ist (z. B. im Geschäftsleben), dass sich Personen kennen, kann durchaus eine formelle Vorstellung durch Dritte erfolgen. Dabei ist die Rangordnung jedoch einzuhalten: der Name des Niedrigergestellten fällt zuerst. Dadurch wird es ihm möglich, der höheren Person den wai in der gebührenden Form zu entbieten.

 

Personen, die sich nicht vorgestellt worden sind, können ohne weiteres den anderen nach seinem Namen fragen oder ihren eigenen nennen. Damit hat niemand Probleme.

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